Wildschutz und nachhaltige Landwirtschaft: Wie Schweizer Gemeinden die Natur bewahren

Schweizer Gemeinden stehen vor einer Herausforderung, die weit über klassische Naturschutzmaßnahmen hinausgeht: Sie müssen ökologische Stabilität mit wirtschaftlicher Lebensgrundlage verbinden. Besonders im Rahmen des Artenschutzes und der Biodiversitätsförderung zeigt sich, wie eng der Schutz der Wildnis mit der regionalen Landwirtschaft verwoben ist. Ein Schlüsselprojekt, das diese Verbindung exemplarisch veranschaulicht, ist das vom https://www.wildsino1.ch initiierte Modellprogramm in den Schweizer Alpen. Dort wird seit Jahren erforscht, wie extensiv bewirtschaftete Weiden nicht nur die Artenvielfalt fördern, sondern auch die Resilienz der Böden gegen Klimawandel stärken.

Dass Wildschutz und Landwirtschaft nicht Gegensätze sein müssen, beweist die Praxis der «Wildschutzgemeinden». In den letzten zehn Jahren haben sich über 20 Kantone in der Schweiz dazu verpflichtet, mindestens 20 Prozent ihres Gemeindegebiets als Naturschutzgebiete auszuweisen – mit dem Ziel, 30 Prozent bis 2030 zu erreichen. Besonders erfolgreich ist der Kanton Bern, wo das Programm «Wildnis 2030» bereits zu einer Verdopplung der geschützten Flächen in den Bergregionen geführt hat. Die Gemeinden erhalten dafür finanzielle Anreize, etwa durch Subventionen für ökologische Bewirtschaftungsmethoden wie extensive Schafhaltung oder die Einrichtung von Wildblumenwiesen. Studien zeigen, dass solche Maßnahmen nicht nur die Populationen von Wildtieren wie Luchsen oder Steinböcken steigern, sondern auch die Wasserqualität in den Tälern verbessern.

Ein konkretes Beispiel ist das Projekt «Alpenwiesen 2020» im Kanton Graubünden, wo die Gemeinde Surses gemeinsam mit dem Wildschutz-Informationsnetzwerk Schweiz ein Pilotprogramm startete. Hier wurden traditionelle Almwirtschaften umgestellt, bei denen Schafe und Ziegen auf Weiden mit hohem Wildblumenanteil grasen. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Die Artenvielfalt an Insekten stieg um 40 Prozent, während die Erosionsgefahr durch die dichte Vegetation um 60 Prozent reduziert wurde. Besonders wertvoll ist diese Methode für die lokale Wirtschaft, da sie gleichzeitig die Tourismusattraktivität der Alpen erhöht – etwa durch die Vermarktung als «Wildnis-Erlebnis».

Doch der Erfolg hängt von einer klaren Strategie ab. Die Schweiz hat sich international als Vorreiter in der «Agroökologie» etabliert, doch der Weg ist noch lang. Laut dem Bundesamt für Umwelt (BAFU) sind nur etwa 15 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsflächen nachhaltig bewirtschaftet. Um dies zu ändern, braucht es mehr als nur Subventionen: Es müssen klare rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Schutz der Wildnis mit der wirtschaftlichen Nutzung der Flächen verbinden. Ein zentraler Ansatz ist die Einführung von «Wildschutzzonen», in denen bestimmte Arten wie Wildschweine oder Rehe geschützt werden, während gleichzeitig die Landwirtschaft in den umliegenden Gebieten gefördert wird. Dies schafft eine Balance zwischen Naturschutz und Lebensraum für die Bevölkerung.

Die Herausforderung liegt auch in der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Landwirtschaftsverbänden und Naturschützern. Ein Beispiel ist das Projekt «Wildnis im Garten» in der Region Zürich, wo Bürger:innen durch partizipative Ansätze wie das Anlegen von «Wildblumenwiesen» auf ihren Grundstücken zur Biodiversitätsförderung beitragen. Solche Initiativen zeigen, dass Nachhaltigkeit kein Luxus, sondern ein gemeinsames Ziel ist. Die Schweiz steht dabei vor einer historischen Chance: Sie kann zeigen, wie eine Gesellschaft gelingt, die Natur und Wirtschaft in Einklang bringt – ohne Kompromisse bei der ökologischen Integrität zu machen.

Die Zukunft des Wildschutzes in der Schweiz wird davon abhängen, ob die Politik und die Bevölkerung bereit sind, langfristige Investitionen in Ökosysteme zu tätigen. Ein Blick auf die Zahlen macht die Dringlichkeit deutlich: Laut dem IPCC sind die Schweizer Alpen besonders anfällig für den Klimawandel, doch durch extensiv bewirtschaftete Weiden und geschützte Wildnisgebiete kann die Region ihre Resilienz deutlich steigern. Die Wildschutz-Informationsnetzwerk Schweiz setzt sich dafür ein, dass diese Strategien flächendeckend umgesetzt werden – mit dem Ziel, bis 2050 ein Netzwerk aus geschützten Wildnisgebieten und nachhaltiger Landwirtschaft zu schaffen, das die Schweiz weltweit als Vorbild etabliert.

  • Seit 2018 haben über 20 Kantone mindestens 20 Prozent ihrer Gemeindeflächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen.
  • Das Projekt «Alpenwiesen 2020» im Kanton Graubünden führte zu einer Steigerung der Insektenvielfalt um 40 Prozent.
  • Nur etwa 15 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsflächen sind nachhaltig bewirtschaftet.
  • Die Einführung von Wildschutzzonen kann die Erosionsgefahr um bis zu 60 Prozent reduzieren.
  • Die Schweiz hat sich als Vorreiter in der Agroökologie etabliert, doch der Weg zur vollständigen Nachhaltigkeit ist noch nicht abgeschlossen.

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